Fritz Bergér mit der Garrocha

Fritz Bergér und der Tanz mit der Garrocha, Bild: Slawik

Reiten mit der Garrocha

Das Reiten mit der „Garrocha“ oder „Garrocha de Pista“ wird immer beliebter. Keine Frage es macht ja auch sehr viel Spaß und bringt Abwechslung in das Training mit seinem Pferd. Es wird nicht nur die Wendigkeit und Verammlung des Pferdes verbessert, sondern hat auch den Vorteil, dass sich der Reiter mehr auf seine Gewichts- und Beinhilfen konzentrieren muss, da er ja auch nur eine Hand „frei“ hat. Je besser das Pferd nur auf die Hilfen reagiert, desto einfacher lässt es sich durch die Stange reiten.

Die Reitweise: Doma Vaquera

Auf gehts zu den Rindern!

Auf gehts zu den Rindern! Mein Vater auf Muñeco Bild: Slawik

Die Tradition des heutigen „Doma Vaquera“ wurzelt in Spanien des ausgehenden 17. Jahrhunderts. Die zahlreichen Rinderherden in Südspanien, die das ganze Jahr frei auf den Hügeln und Ebenen Andalusiens weideten, wurden betreut und gelenkt durch berittene Hirten. Die Wurzeln der Doma Vaquera sind in der sogenannten Jineta (antike Kampfreiterei) zu suchen, der Reitweise der berittenen Kriegertruppen, die schon vor etwa 2000 Jahren auf der iberischen Halbinsel kämpften. Die schnellen Stops, plötzliche und rasante Wendungen wurden davon übernommen und weiterverwendet. Die Hirten verbrachten früher mehrere Stunden im Sattel und wuchsen so eng mit Ihrem Pferd zusammen. Bei der Doma Vaquera spricht man von einer sogenannten Arbeitsreitweise. Sie trieben damit die Rinder zusammen, auch wenn sich eines verirrt hat oder wenn sie durch Flüsse mussten, um an einen anderen Weideplatz zu gelangen. Heutzutage sehen viele Pferde, die in der Doma Vaquera ausgebildet werden, nicht mal mehr einen Stier. Durch moderne Fahrzeuge wird die Arbeit auf dem Land erleichtert und die Pferde werden meist „nur“ für Turniere trainiert. 1

 


Die Geschichte der Garrocha-Arbeit

Fritz Bergér mit der Garrocha auf PRE-Hengst

Zauber der Natur: Fritz Bergér mit „Muñeco“ und der Garrocha unter dem Magnolien-Baum. Bild: Slawik

Mit der Garrocha wurden früher junge Rinder von der Herde ausgesondert, um es dann schließlich im gestreckten Galopp umzustoßen. Dabei wird der Mut des Rindes getestet. Man nennt diese für die Kampfstierzüchter wichtige Arbeit: Acoso y Derribo. (~Verfolgung und Umwerfen). Greift der Stier zurück an und wehrt sich, wird er für die weitere Zucht eingesetzt, falls nicht, hat er „Glück“ gehabt und muss nicht in die Arena. Das wird immer im Team gemacht – der Amparador (~Beschützer) unterstützt in insoweit, dass er dem Rind mehr oder weniger mit seinem eigenem Pferd den Weg freimacht, bzw. versperrt. um das Rind in die richtige Bahn zu lenken. 2

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Die Garrocha

Die „Originale Garrocha“ ist ca. 3,5 Meter lang und wiegt in etwa 2,7 kg. Sie hat am Ende eine Metallspitze mit der man im Sand den genauen Punkt besser behalten kann und am oberen Ende ein weiteres Metallstück. 3 Der Rest ist aus Holz und in einem Stück gefertigt, sprich – man kann sie nicht zusammenklappen oder aufschrauben. Da es sehr wichtig ist, dass die Garrocha jederzeit stabil bleibt und nicht abbricht, wäre das auch einfach nicht sinnvoll für die Vaqueros gewesen.

Nabuco feurig mit der Garrocha - da müssen die Hilfen sitzen

Viktoria auf „Nabuco“  –  feurig mit der Garrocha und dem Bosal geritten – da müssen die Hilfen sitzen.

Heutzutage gibt es viele Nachbauten die dem Original nur auf dem ersten Blick noch nahe kommt. Das ist einerseits sehr schade, andererseits müssen wir hierzulande aber auch keine Stiere aussortieren und von der Herde trennen.

Es gibt die Garrocha mittlerweile aus verschiedenem Holz oder auch Fiberglas. Dabei spielt auch die Dicke und die Schwere eine große Rolle. Dies macht vor allem beim Reiten einen großen Unterschied. Ist die Garrocha leicht und dünn, kann Sie schnell auch aufgenommen und wieder abgesetzt werden. Dies kann am Anfang einfacher sein für das Training. Will man jedoch weiter kommen, wird man schnell verstehen, warum die originale Garrocha so ist, wie sie eben ist. Durch das höhere Gewicht und der dadurch besseren Stabilität kann ich viel genauer einen Punkt im Sand halten, um den ich mich mit dem Pferd herumarbeite.

Heute gibt es in der „Working-Equitation“ eine Aufgabe, in der ein Stock aus einer Tonne genommen, dann ein Ring gestochen und der Stock wieder in eine Tonne gestellt werden muss. Oft wird hier fälschlicherweise der Name Garrocha verwendet. Dies hat jedoch gar nichts mit der originalen Garrocha zu tun. Denn dafür wäre diese wirklich zu schwer und zu unhandlich. Viel eher kann man das in der WE genutzes Teil, als einfache Holzstange bezeichnen, da diese auch immer den selben Durchmesser hat und nicht wie bei meiner Garrocha eine zulaufende Stitze besitzt.

 

Wie gewöhne ich ein Pferd an die Garrocha?

Die Voraussetzungen sind die einhändige Zügelführung und ein gut ausgebildetes, wendiges und geschmeidig gerittenes Pferd, welches gut auf Gewichts- und Beinhilfen reagiert.

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Isabella mit ihrem „Leo“ tasten sich langsam ran.

Erstes Mal mit der Garrocha! "Das macht richtig Spaß!"

Julian mit seinem Hengst „Astuto“ das erstes Mal mit der Garrocha: „Das macht richtig Spaß!“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die ersten Schritte mit der Garrocha:

  1. Pferd vom Boden aus an die Stange gewöhnen, beschnuppern lassen usw.
  2. Die Stange an das Pferd legen und loben
  3. Auf dem Pferd: Stange einfach nur nebenher ziehen, mit viel Abstand
  4. Abwechselnd immer wieder die Kruppe des Pferdes mit der Garrocha berühren und einfache Seitenwechsel mit der Stange hinter dem Pferd ausführen.
  5. Volten Reiten und Stange in der Mitte an einem Punkt lassen, nach außen wechseln – andere Richtung Volte
  6. Später dann versuchen in der Volte nach innen zu wechseln
  7. üben
  8. üben
  9. üben
  10. Dann erst im Galopp

Merke: Bitte immer nur so viel vom Pferd verlangen, wessen Du Dir selbst bereits bewusst bist. Wenn Du Dir unsicher bist, hole Dir lieber Hilfe von jemanden, der sich damit wirklich auskennt. Dein Pferd wird es Dir danken!

 

Viktoria mit PRE-Hengst Lobito bei einer Show auf Gut Ising am Chiemsee

Viktoria mit PRE-Hengst Lobito bei einer Galashow auf Gut Ising am Chiemsee

 

Wenn Du auch Interesse hast am Reiten mit der Garrocha bzw. ins Training hineinschnuppern willst – kontaktiere mich einfach. Gerne können wir gemeinsam einen Kurs oder Trainingsstunden vereinbaren. Weitere Infos zum Garrocha-Kurs bzw. zu den anderen Kursen.

Viel Spaß beim Trainieren mit der Garrocha!
Eure Viktoria

 

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…nach der Arbeit, reitet der Garrochista nach Hause. Bild: Slawik

 

 

 

Zusatz:
Doma clasica hat ihren Ursprung auf der iberischen Halbinsel
Doma alta (akademische Reiterei) – (Reitstil an den Höfen der Aristokratie, das perfekt ausgebildete Pferd als Kunstwerk)

  1. Buch, Doma Vaquera -Schritt für Schritt zur spanischen Arbeitsreitweise
  2. Buch, Das Spanische Pferd, Katharina von der Leyen und Thomas Kilper
  3. Daten meiner Garrocha aus Spanien